Laufen braucht Elastizität – nicht nur Kraft und Ausdauer
- Christian Eidmann

- 14. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Das hier ist der erste Teil einer kleinen Reihe über das Laufen.
Dabei geht es um Dinge, die aus meiner Sicht wichtig sind, im klassischen Lauftraining aber häufig etwas untergehen: Elastizität, Rotation, Gewichtsverlagerung und die Frage, wie der ganze Körper beim Laufen zusammenarbeitet.
Genau diese Zusammenhänge spielen auch in meiner Arbeit mit Human Flow eine wichtige Rolle. Im ersten Teil geht es um Elastizität – und darum, warum sie das Laufen leichter und ökonomischer machen kann.
Was bedeutet Elastizität beim Laufen?
Wenn ich von Elastizität spreche, meine ich die Fähigkeit unseres Gewebes, Kräfte aufzunehmen, kurz zu speichern und wieder abzugeben.
Ich spreche dabei bewusst von Gewebe und nicht nur von Muskeln oder Faszien. Denn beim Laufen arbeitet keine einzelne Struktur für sich. Muskeln, Sehnen, Faszien und andere Gewebestrukturen wirken zusammen.
Es geht hier deshalb auch nicht darum, ein Loblied auf Faszien oder Faszientraining zu singen. Mich interessiert vielmehr die einfache Frage: Was passiert mit den Kräften, die beim Laufen entstehen, und wie gut kann unser Körper sie nutzen?
Elastizität ist eine Fähigkeit, die unser Körper entwickeln kann. Er kann aber auch verlernen, elastisch mit Kräften umzugehen, wenn diese Fähigkeit kaum noch gefordert wird.
Jeder Schritt kann den nächsten vorbereiten
Bei jedem Laufschritt treffen wir auf dem Boden auf. Dabei wirken Kräfte auf unseren Körper.
Ein elastischer Körper kann einen Teil dieser Energie aufnehmen, kurz speichern und für die weitere Bewegung wieder nutzen. Der nächste Schritt muss dadurch nicht vollständig neu erzeugt werden, sondern kann zum Teil aus dem vorherigen entstehen.
Der Körper arbeitet dabei ein wenig wie eine Feder oder ein Flummi: Er gibt unter Belastung nach, nimmt Energie auf und gibt sie anschließend wieder ab.
Fehlt diese Fähigkeit, muss ein größerer Teil der Bewegung aktiv über Muskelkraft erzeugt werden. Jeder Schritt kostet mehr Kraft und kann sich schwerer anfühlen.
Das bedeutet nicht, dass Muskelkraft beim Laufen unwichtig ist. Im Gegenteil. Aber Kraft und Elastizität sollten zusammenarbeiten.
Elastizität endet nicht in der Wade
Oft wird Elastizität beim Laufen vor allem mit den Füßen, den Waden und der Achillessehne verbunden. Diese Bereiche sind wichtig, aber sie sind nur ein Teil des Systems.
Die Kräfte, die beim Bodenkontakt entstehen, können durch den gesamten Körper weitergeleitet werden: über Fuß, Bein und Becken bis in die Wirbelsäule, die Schultern und die Arme.
Dabei ist der Oberkörper nicht nur für den Ausgleich zuständig. Durch die gegensätzliche Rotation von Becken und Schultergürtel entsteht zusätzliche Dynamik. Die Arme bringen als bewegte Masse Schwung in diese Rotation und können dadurch zur Beschleunigung des gesamten Körpers beitragen.
Der Oberkörper ist beim Laufen deshalb kein Anhängsel. Seine Bewegung ist Teil der Vorwärtsbewegung.
Je besser die Kräfte durch den Körper weitergeleitet werden können, desto mehr arbeiten Beine, Becken, Wirbelsäule, Schultern und Arme als zusammenhängende Einheit. Energie bleibt dann nicht nur in einzelnen Bereichen hängen, sondern kann durch den Körper aufgenommen, übertragen und für den nächsten Schritt genutzt werden.
Ökonomischer laufen
Mehr Elastizität bedeutet nicht automatisch, dass du schneller laufen musst.
Es geht zunächst darum, ökonomischer zu laufen: mit weniger unnötiger Anstrengung, einer besseren Kraftübertragung und einem Bewegungsablauf, bei dem ein Schritt den nächsten unterstützt.
Am Anfang kann sich das trotzdem ungewohnt oder sogar anstrengender anfühlen. Der Körper muss neue Bewegungsabläufe lernen und Gewebe wieder an Belastungen gewöhnen.
Langfristig kann ein elastischerer Laufstil aber dazu beitragen, dass sich Laufen leichter, flüssiger und kraftsparender anfühlt.
Weil der Körper nicht jeden Schritt vollständig neu erzeugen muss, sondern lernt, die entstehenden Kräfte aufzunehmen, durch den Körper weiterzuleiten und für die weitere Bewegung zu nutzen.
Elastizität ist dabei nur ein Teil des Laufens. Auch Rotation, Gewichtsverlagerung und das Zusammenspiel von Unter- und Oberkörper entscheiden darüber, wie gut wir die entstehenden Kräfte nutzen können.
Mit genau diesen Zusammenhängen beschäftige ich mich in meiner Arbeit mit Human Flow und in meinen Workshops. In den nächsten Teilen dieser Reihe schauen wir uns einige davon genauer an.



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