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Rope Flow bei Parkinson – Workshop in Bensheim



Bewegung spielt bei Parkinson eine zentrale Rolle.


Neben Kraft und Ausdauer geht es vor allem um Koordination, Rhythmus, Gleichgewicht und das Zusammenspiel von Ober- und Unterkörper.


Was dabei oft unterschätzt wird: Viele Herausforderungen entstehen nicht nur durch „zu wenig Kraft“, sondern durch Timing, das Starten von Bewegung, flüssige Übergänge und Sicherheit im Gang.. Genau dort kann es hilfreich sein, Bewegung über klare Muster, Rhythmus und ein spürbares Feedback von außen zu strukturieren.


Genau hier setzt Rope Flow an.

Nicht als fertige Lösung. Sondern als Möglichkeit, Bewegung wieder bewusster zu erleben und aktiv zu gestalten.


Wie das Projekt entstanden ist


Im Sommer letzten Jahres hat mich Elke Kampa kontaktiert.

Sie lebt selbst mit der Diagnose Parkinson und hat vor zwei Jahren für sich Rope Flow entdeckt.


Nach ihrer Diagnose wollte sie sich nicht damit abfinden, dass Bewegung automatisch weniger wird. Sie suchte aktiv nach Wegen, selbst Einfluss zu nehmen. Über eigene Erfahrungen – und auch über Impulse ihres Physiotherapeuten kam sie zum Rope Flow. Zunächst ganz für sich. Daraus wurde Schritt für Schritt die Idee: ein Format, das Betroffenen Sicherheit gibt und Fachpersonen einen praxisnahen Zugang.


Aus unserem Austausch entwickelte sich ein erstes Webinar zum Thema Rope Flow und Parkinson. Die Resonanz war größer als wir erwartet hatten sowohl von Betroffenen als auch von Trainern und Therapeuten.


Am 1. März folgten deshalb zwei Workshops in Bensheim mit insgesamt 15 Teilnehmenden. Die Gruppe war gemischt: Betroffene, Angehörige und Fachpersonen.


Der erste Rope Flow Parkinson Workshop in Bensheim


Ich sage zu Beginn eines Workshops oft, dass ich die Teilnehmenden wahrscheinlich ein bisschen „positiv frustrieren“ werde.


Die Bewegungen sehen einfach aus.

Und genau das macht es spannend.


Beim ersten Versuch merkt man schnell: So leicht ist es doch nicht.

Bis irgendwann dieser Moment kommt, in dem es im Kopf Klick macht – und plötzlich fühlt sich die Bewegung rund und selbstverständlich an.


Auch in diesem Workshop war das zu spüren.


Wir starteten mit einfachen, rhythmischen Bewegungen, kontrollierten Gewichtsverlagerungen und ersten Rotationen. Das Seil wurde dabei nicht nur Trainingsgerät, sondern Feedback-Tool und Trainingspartner. Jede Veränderung in Tempo, Spannung oder Richtung wurde unmittelbar spürbar – im Körper und sichtbar im Seil.


Was mich besonders gefreut hat: Viele Bewegungen funktionierten besser, als es sich einige im Vorfeld zugetraut hatten.


Ein besonderer Moment ergab sich bei einer Teilnehmerin, bei der in der Vorstellungsrunde ein deutliches Zittern der Hände sichtbar war. Während der rhythmischen Arbeit mit dem Seil nahm das Zittern spürbar ab. Der Effekt war nicht dauerhaft, aber für sie war es ein wichtiger Moment. Zu erleben, dass Bewegung Einfluss nehmen kann – und dass sie selbst aktiv etwas steuern kann.


Neben dem praktischen Teil war der Austausch fast genauso wertvoll. Es ging um Unsicherheiten im Alltag, um Erfahrungen mit Training, um Fragen rund um Bewegung und Erkrankung. Die Atmosphäre war konzentriert, offen und getragen von gegenseitiger Unterstützung.


Teilnehmer des Rope Flow Parkinson Workshops in Bensheim

Bewegung darf sich wieder wie Spielen anfühlen


Was im Workshop ebenfalls deutlich wurde:

Viele verbinden Training automatisch mit Anstrengung, Druck und „Ich muss“.


Christian Eidmann demonstriert Rope Flow im Parkinson Workshop in Bensheim

Gerade bei einer Diagnose wie Parkinson entsteht schnell das Gefühl, ständig etwas aufholen oder stabilisieren zu müssen.


Rope Flow und Core Flow schlagen hier eine andere Brücke.


Die Bewegungen sind strukturiert. Sie fordern Koordination, Aufmerksamkeit und Präsenz. Aber sie haben gleichzeitig einen spielerischen Charakter. Man probiert aus. Man verliert den Rhythmus. Man findet ihn wieder. Und irgendwann entsteht ein Flow-Moment.


Aus meiner Sicht darf Bewegung mehr sein als reine Funktion.

Sie darf sich wieder lebendig anfühlen.

Nicht als Pflicht, sondern als Erfahrung.


Gerade im neurologischen Kontext kann dieser Zugang einen Unterschied machen – weil Sicherheit, Rhythmus und Freude oft nachhaltiger wirken als reiner Leistungsdruck.


Warum Rope Flow bei Parkinson sinnvoll sein kann


Rope Flow ist kein speziell entwickeltes Parkinson-Programm.

Trotzdem wurden im Workshop einige Aspekte deutlich, die im Kontext von Parkinson besonders interessant sein können.


Verbindung von Ober- und Unterkörper

Die rotierenden Bewegungen fördern das Zusammenspiel beider Körperhälften und unterstützen koordinative Abläufe. Gerade Übergänge (z. B. von Schritt zu Schritt) profitieren oft davon, wenn Rumpf und Beine „wieder zusammenarbeiten“ statt getrennt zu agieren.


Arbeiten mit beiden Händen (bilaterale Koordination)

Viele Bewegungen erfordern eine koordinierte Zusammenarbeit beider Hände: Timing, Richtung und Rhythmus müssen zusammenpassen. Das fordert die Abstimmung beider Körperseiten und macht Koordination konkret – nicht als Theorie, sondern als spürbare Aufgabe.


Gleichgewicht und Gewichtsverlagerung

Seitliche Schritte, kontrollierte Gewichtswechsel und Rotationen greifen Elemente auf, die auch im Gang eine Rolle spielen. Im Workshop war interessant zu sehen, wie klar das Seil kleine Veränderungen in Stabilität sofort sichtbar macht – und dadurch bewussteres Stehen und Gehen unterstützt.


Rhythmus als Orientierung

Das wiederholte, rhythmische Arbeiten mit dem Seil kann helfen, Bewegungen klarer einzuleiten und flüssiger zu gestalten. Rhythmus wirkt wie ein „Taktgeber“: Er gibt Struktur, ohne dass man jeden Schritt kognitiv kontrollieren muss.


Direktes Feedback durch das Seil

Das Seil reagiert unmittelbar auf jede Veränderung. Man spürt im Körper, wenn etwas runder wird – und sieht gleichzeitig außen, wie sich das Seil bewegt. Diese doppelte Rückmeldung (innen + außen) macht Bewegung erfahrbar und konkret.


Hinzu kommt: Das gemeinsame Üben nimmt Druck raus. Der spielerische Charakter schafft oft einen anderen Zugang als klassisches „Training“.


Wie es weitergeht

Elke Kampa und Christian Eidmann beim Rope Flow Parkinson Workshop in Bensheim

Der Rope Flow Parkinson Workshop in Bensheim war ein erster Schritt.


Geplant ist ein weiteres Webinar, um Betroffene, Angehörige sowie interessierte Fachpersonen

tiefer in das Thema einzuführen.


In der Region sollen zwei bis drei Trainer oder Therapeuten geschult werden, um regelmäßige Angebote aufzubauen. Elke plant eine feste Trainingsgruppe, in der Betroffene gemeinsam üben können. Ich werde diese Gruppe regelmäßig begleiten und stehe im Austausch für Fragen und Weiterentwicklung.


Das Projekt entwickelt sich bewusst Schritt für Schritt.


Wenn du Rope Flow & Core Flow im Kontext von Parkinson in deiner Gruppe, Praxis oder Einrichtung einsetzen möchtest, melde dich gerne.


Gemeinsam schauen wir welches Format sinnvoll ist.


 
 
 

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