Verspannungen lösen: Warum Spannung nicht das Problem ist und wie Rope Flow dir helfen kann
- Christian Eidmann

- 20. Apr.
- 4 Min. Lesezeit

Viele kennen dieses Gefühl: Der Nacken ist fest, der Rücken fühlt sich dicht an und Bewegung wird irgendwie unangenehm oder eingeschränkt. Die naheliegende Erklärung ist dann oft, dass einfach zu viel Spannung im Körper da ist. Also versucht man genau das zu lösen man dehnt, man massiert, man versucht lockerer zu werden. Und ja, vieles davon kann helfen. Zumindest für einen Moment.
Trotzdem kommt das Gefühl bei vielen immer wieder zurück. Und genau da wird es interessant, weil man sich die Frage stellen kann, ob es wirklich an der Spannung selbst liegt oder ob etwas anderes dahintersteckt.
Denn Bewegung funktioniert nicht dadurch, dass wir möglichst locker sind. Sie entsteht eher daraus, dass wir Spannung aufbauen können und sie im richtigen Moment wieder loslassen. Wenn dieser Wechsel nicht mehr gut funktioniert, bleibt Spannung oft einfach im System hängen. Dann gibt es Bereiche im Körper, die dauerhaft arbeiten, während andere sich kaum noch beteiligen. Der Nacken übernimmt mehr, der untere Rücken hält fest, und insgesamt entsteht ein Ungleichgewicht, das sich nicht dadurch lösen lässt, dass man einfach nur versucht, „weniger Spannung“ zu haben
Warum klassische Lösungen oft nicht ausreichen
Das bedeutet nicht, dass Dinge wie Krafttraining oder Massagen keinen Platz haben. Im Gegenteil beides kann sinnvoll sein und auch spürbar etwas verändern. Krafttraining kann helfen, Bereiche im Körper aufzubauen, die bisher wenig beteiligt waren, und Massagen können Spannung kurzfristig reduzieren und ein Gefühl von Entlastung schaffen.
Trotzdem bleibt bei vielen das eigentliche Problem bestehen. Nicht, weil diese Ansätze „falsch“ sind, sondern weil sie oft nur einen Teil abdecken. Wenn der Körper nicht gelernt hat, zwischen Anspannung und Entspannung zu wechseln, dann kehrt die Spannung früher oder später wieder zurück. Man arbeitet dann zwar an dem, was man spürt, aber nicht unbedingt an dem, was es verursacht.
Und genau deshalb entsteht oft dieses Gefühl, dass man ständig etwas tun muss, um die Spannung wieder loszuwerden – ohne dass sich wirklich grundlegend etwas verändert.
Was im Körper wirklich fehlt: Zwischen Anspannung und Entspannung wecheln zu können
In meiner Arbeit schaue ich deshalb weniger auf einzelne Muskeln oder isolierte Bereiche, sondern eher darauf, wie der Körper insgesamt zusammenarbeitet. Ich nutze dafür oft den Begriff „Organisation“, auch wenn er erstmal abstrakt klingt.
Gemeint ist damit etwas ziemlich Einfaches: Der Körper kann Spannung dort aufbauen, wo sie gebraucht wird, und sie wieder loslassen, wenn sie nicht mehr notwendig ist. Es geht also weniger um „mehr“ oder „weniger“, sondern darum, ob Spannung sich im Körper sinnvoll verteilt und wieder verändert.
Diese Fähigkeit ist nichts, was man einmal versteht und dann hat. Sie entsteht eher darüber, dass der Körper wieder Erfahrungen macht und genau da setzt die Arbeit an.
Wie Rope Flow und Core Flow dir helfen, den Wechsel zwischen Spannung und Entspannung zu lernen
Ein möglicher Weg dorthin ist kein starres System, sondern eher eine Orientierung. Ich arbeite dabei häufig mit vier Schritten, die aufeinander aufbauen, sich aber auch überschneiden können:
Isometrische Spannung – Spannung bewusst aufbauen und wieder lösen
Langsame dynamische Bewegung – den Wechsel in Bewegung wahrnehmen
Kontrolliertes Chaos – auf Reize reagieren, zum Beispiel mit dem Rope
Freies Spiel – Bewegung wieder ohne feste Vorgaben nutzen
Es geht dabei nicht darum, diese Schritte perfekt abzuarbeiten. Entscheidend ist eher, dass der Körper wieder lernt, mit Spannung umzugehen, statt nur gegen sie zu arbeiten.
Die vier Schritte
Am Anfang arbeite ich viel mit isometrischer Spannung. Wir bauen Spannung bewusst auf, halten sie einen Moment und lassen sie dann wieder los. Für viele fühlt sich das am Anfang ungewohnt an, manchmal sogar ein bisschen wie ein Krampf. Das ist aber wichtig, damit der Körper überhaupt wieder lernt, Spannung wahrzunehmen und auch wieder loszulassen. Genau dieses bewusste Wechseln geht im Alltag oft verloren. Ähnliche Ansätze kennt man zum Beispiel auch aus der progressiven Muskelrelaxation.
Im nächsten Schritt kommt Bewegung dazu. Allerdings nicht schnell, sondern eher langsam. Es geht jetzt darum, dass wir diese Spannung nicht mehr nur statisch aufbauen und lösen, sondern in Bewegung bringen. Der Körper lernt, zwischen Anspannung und Entspannung zu wechseln, während wir uns bewegen. Vorher war das Ganze eher auf einer Seite oder in einer Position, jetzt passiert dieser Wechsel innerhalb einer Bewegung. Dadurch wird der Unterschied oft deutlicher spürbar, weil sich die Spannung im Körper verändert und verlagert.
Im nächsten Schritt erhöhen wir die Anforderungen ein Stück weit. Ich arbeite hier gerne mit dem Rope oder mit Rope Flow, weil es ein sehr direktes Feedback gibt. Die Idee ist nicht, dass alles unkontrolliert wird, sondern im Gegenteil: Der Körper soll in einem kontrollierten Umfeld lernen, mit mehr Input umzugehen. Das Tempo wird etwas höher, die Bewegung etwas komplexer und der Körper muss schneller darauf reagieren. Ich nenne das gerne „kontrolliertes Chaos“ oder „strukturiertes Chaos“, weil wir den Rahmen vorgeben, aber innerhalb dieses Rahmens mehr passiert. Der Körper lernt dabei, Spannung besser zu verteilen und schneller zwischen Anspannung und Entspannung zu wechseln.
Wenn dieses Fundament da ist, kann man den nächsten Schritt gehen und die Struktur weiter öffnen. Dann geht es mehr ins freie Bewegen. Hier sieht man ziemlich schnell, was funktioniert und wo es noch hakt. Dinge, die vorher nicht sichtbar waren, tauchen plötzlich auf, weil der Körper mehr Freiraum bekommt. Genau das macht diesen Schritt so wertvoll, weil er zeigt, wo noch Potenzial liegt und woran man weiterarbeiten kann.
Wenn man sich das Ganze anschaut, geht es am Ende nicht darum, möglichst wenig Spannung im Körper zu haben.
Spannung brauchst du. Ohne sie bewegt sich nichts.
Der Unterschied liegt eher darin, wie dein Körper damit umgeht. Ob Spannung sich aufbauen kann, wenn sie gebraucht wird, und ob sie auch wieder nachlässt, wenn sie nicht mehr notwendig ist. Genau dieser Wechsel entscheidet oft darüber, wie sich Bewegung anfühlt.
Wenn das wieder besser funktioniert, verändert sich nicht nur die Bewegung selbst. Viele merken, dass sich Dinge insgesamt leichter anfühlen, weniger fest, weniger anstrengend. Nicht, weil weniger passiert, sondern weil es im Körper besser zusammenarbeitet.
Wenn du das nicht nur verstehen willst, sondern auch selbst spüren möchtest, kannst du genau damit arbeiten.
Im Online-Kurs „Core in Motion“ gehe ich diese Schritte Schritt für Schritt mit dir durch, sodass du ein Gefühl dafür bekommst, wie sich dieser Wechsel im Körper entwickelt und verändert.
Und wenn du direkt praktisch einsteigen willst, kannst du das Ganze auch mit Rope Flow oder Core Flow verbinden. Dafür findest du im Shop die passenden Seile, mit denen du genau diese Art von Bewegung umsetzen kannst.



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