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Warum Rotation beim Laufen oft unterschätzt wird


Im letzten Artikel ging es darum, warum Elastizität beim Laufen eine so große Rolle spielt. Heute möchte ich einen weiteren Baustein aufgreifen, der aus meiner Sicht oft unterschätzt wird: Rotation.


Rotation verbindet Oberkörper und Unterkörper

Wenn wir unsere Lauftechnik verbessern möchten, denken die meisten zuerst an die Beine. Mehr Kraft, mehr Ausdauer, vielleicht eine andere Technik oder neue Schuhe. Das alles kann sinnvoll sein. Gleichzeitig passiert beim Laufen noch etwas anderes. Mit jedem Schritt arbeiten Oberkörper und Unterkörper zusammen. Der Brustkorb bewegt sich leicht gegen das Becken, die Arme schwingen mit und die Wirbelsäule verbindet all diese Bewegungen miteinander. Dadurch können Kräfte durch den gesamten Körper weitergeleitet werden, anstatt nur an einer Stelle entstehen zu müssen. Je besser dieses Zusammenspiel funktioniert, desto flüssiger und ökonomischer fühlt sich Bewegung häufig an.


Die Spinal Engine Theory – ein anderer Blick auf Bewegung

Ein Modell, das meinen Blick auf Bewegung in den letzten Jahren stark geprägt hat, ist die sogenannte Spinal Engine Theory von Serge Gracovetsky. Sie entstand Ende der 1980er Jahre und beschreibt die Idee, dass unsere Wirbelsäule nicht nur eine passive Verbindung zwischen Ober- und Unterkörper ist, sondern aktiv an der Fortbewegung beteiligt sein kann. Rotation wird dabei nicht als Nebeneffekt gesehen, sondern als wichtiger Bestandteil menschlicher Bewegung.

Die Spinal Engine Theory ist ein Modell und keine unumstrittene Wahrheit. Mich überzeugt daran vor allem die Perspektive. Statt den Körper in einzelne Bereiche aufzuteilen, richtet sie den Blick darauf, wie Oberkörper, Rumpf und Beine als zusammenhängendes System arbeiten. Genau diese Sichtweise hat meine Arbeit in den letzten Jahren stark beeinflusst.


Rotation erleben statt nur verstehen

Du kannst das sogar selbst einmal ausprobieren.


Setz dich locker auf einen Stuhl und halte beide Hände vor deinen Körper. Jetzt beginnst du langsam, mit deinen Händen eine liegende Acht – eine Figure Eight – vor deinem Körper zu zeichnen. Lass die Bewegung zunächst klein und werde erst nach und nach etwas größer. Irgendwann wirst du wahrscheinlich merken, dass sich nicht mehr nur deine Hände bewegen. Deine Brustwirbelsäule beginnt mitzudrehen, dein Brustkorb folgt der Bewegung und auf einmal arbeitet dein ganzer Oberkörper mit.


Warum ich Rope Flow und Core Flow im Lauftraining nutze

Genau dieses Zusammenspiel interessiert mich auch beim Laufen.

Deshalb arbeite ich im Lauftraining gerne mit Figure-Eight-Bewegungen im Gehen oder Rückwärtsgehen, mit Rope Flow, dem Core Flow Rope und unterschiedlichen Coiling-Übungen. Sie helfen dabei, den Kraftübertrag zwischen Oberkörper und Unterkörper bewusster wahrzunehmen und Schritt für Schritt zu verbessern. Viele merken dabei zum ersten Mal, dass Bewegung nicht nur aus den Beinen kommt, sondern dass der Rumpf einen viel größeren Anteil daran hat, als sie bisher gedacht haben.


Wenn du einfach einmal ausprobieren möchtest, wie sich Rotation im eigenen Körper anfühlt, schnapp dir ein Seil und probiere ein paar Figure-Eight-Bewegungen aus. Oft merkt man schon nach wenigen Minuten, wie viel Bewegung plötzlich aus dem Rumpf entsteht.

Wenn du tiefer in das Thema einsteigen möchtest oder nach einer Verletzung wieder einen guten Einstieg ins Laufen suchst, begleite ich dich gerne dabei. Das kann im Workshop sein oder an einem Intensivtag (ca. 4,5 Stunden). In dieser Zeit können wir sehr gezielt herausfinden, welche Hebel für dich den größten Unterschied machen und wie du sie sinnvoll in dein Training integrieren kannst.

 
 
 

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