Wo Bewegung wirklich anfängt - Im Alltag nicht im Trainingsplan
- Christian Eidmann

- 10. Jan.
- 3 Min. Lesezeit

Bewegung muss im Alltag nicht groß anfangen.
Oft beginnt es damit, dass man einfach mal ehrlich zu sich ist:
Was macht es mir gerade leicht, mich zu bewegen und was macht es mir schwer, überhaupt anzufangen oder dranzubleiben?
Oft scheitert es nicht daran, dass man sich nicht bewegen will.
Es scheitert an den Rahmenbedingungen, die damit verbunden sind – oder an denen, die man sich dafür gebaut hat. Über diesen Rahmen machen sich die meisten gar keine Gedanken. Er ist einfach da. Und wird selten hinterfragt.
Bewegung oder Training wird dann schnell zu etwas, das vorbereitet werden muss:
umziehen, Zeit freischaufeln, irgendwohin fahren, danach duschen. Noch bevor man angefangen hat, ist der Aufwand oft größer als das, was man damit eigentlich erreichen will. Wenn schon der Einstieg viel Energie kostet, rückt das eigentliche Ziel schnell in den Hintergrund.
Für manche ist genau das der richtige Rahmen.
Sie brauchen diese Struktur, den festen Ort, den klaren Zeitblock.
Für andere passt das schlicht nicht in den Alltag.
Wenn es schwerfällt, in Bewegung zu bleiben oder regelmäßig zu trainieren, lohnt es sich deshalb, den Rahmen zu überprüfen.
Hilfreich können dabei einfache Fragen sein:
· Muss ich mich dafür umziehen? Ffühlt sich das für mich gut an oder eher nach zusätzlichem Aufwand?
· Brauche ich einen festen Termin? Gibt mir das Ruhe oder setzt es mich unter Druck?
· Muss ich danach duschen?
· Brauche ich etwas Bestimmtes, um anzufangen?
· Passt das realistisch in meinen Alltag – heute? Nicht theoretisch, nicht nächste Woche, sondern heute so, wie der Tag gerade ist.
Diese Fragen sind keine Checkliste, die man abhaken muss.
Sie helfen dabei zu erkennen, wie man sich bewegen möchte aber vor allem wofür gerade Kapazitäten da sind.
Ein wichtiger Punkt dabei:
Bewegung im Alltag ist nicht dasselbe wie Training.
Je nach Ziel können kurze, regelmäßige Bewegungen oft mehr bewirken als seltene, große Einheiten.
Wenn Bewegung wenig Organisation braucht, ist der Einstieg leichter.
Ein kurzer Spaziergang nach einer Mahlzeit, zehn bis fünfzehn Minuten.Oder ein paar Minuten zwischendurch: locker auf der Stelle bouncen, ein paar Kreise, Musik an und kurz tanzen.
Nicht als Training, sondern einfach, um den Körper zu bewegen und den Kopf freier zu machen.
Wenn man sich etwas bewusster bewegen möchte, mit etwas mehr Struktur, kann Rope Flow gut passen.
Seil schnappen, zehn Minuten rausgehen, bewegen.
Kein Umziehen, kein Studio, kein großes Drumherum.
Raus aus dem Kopf, rein in den Körper. Spüren, was passiert.
Mit vergleichsweise wenig Aufwand passiert dabei schon viel.
Core Flow kann eine weitere Möglichkeit sein, wenn man bereits trainiert, aber merkt, dass das Körpergefühl fehlt.
Langsamere, bewusstere Bewegungen helfen dabei zu verstehen, was im Körper arbeitet und wie Kräfte übertragen werden. Das kann bestehende Trainingsformen sinnvoll ergänzen oder als eigener Flow Raum für Experimentieren und Improvisieren öffnen.
Eine der ersten Fragen im Training ist deshalb nicht: Welche Übung ist die richtige?
Sondern: Was ist mein Ziel und welcher Rahmen passt dazu, damit ich dranbleibe?
Entscheidend ist weniger, was man macht, sondern wie es sich anfühlt.
Gibt es Energie oder Ruhe?
Ein gutes Gefühl, eine gewisse Zufriedenheit oder eher Widerstand?
Regelmäßigkeit entsteht, wenn Bewegung in den Alltag passt.
Lieber wenig und regelmäßig als viel für ein oder zwei Wochen.
Und wenn ein Tag ausfällt, ist nichts kaputt. Man macht einfach weiter.
Wenn Regelmäßigkeit erst einmal da ist, öffnen sich oft auch Kapazitäten für mehr.
Der Schritt von zehn auf zwanzig Minuten ist dann klein die Wirkung oft groß.


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