top of page

Wenn Bewegung druck macht - stimmt oft der Rahmen nicht


Bewegung gilt als etwas Gutes.


Als etwas, das man tun sollte. Als etwas, das helfen, ausgleichen und entspannen soll. Und trotzdem passiert bei vielen genau das Gegenteil: Bewegung wird zu einem weiteren Punkt auf der inneren Liste. Ein Punkt, der Druck erzeugt, ein schlechtes Gewissen hinterlässt – ich müsste ja eigentlich noch Sport machen – und irgendwann liegen bleibt. Nicht, weil man es nicht will und nicht, weil man nicht weiß, dass es gut wäre, sondern weil Dinge, die dauerhaft Druck machen und bei denen man kein Vorwärtskommen spürt, irgendwann einfach gelassen werden.

 

Oft fängt man an. Und das nicht zum ersten Mal.

Mit einem Plan, einer Idee, einem Ziel oder etwas, das man irgendwo gelesen oder gesehen hat. Manchmal funktioniert es eine Weile, manchmal nur sehr kurz. Und dann kommt dieser Moment, in dem man sich fragt, warum es schon wieder nicht geklappt hat – obwohl man doch eigentlich weiß, dass Bewegung gut wäre. Dass man das doch machen sollte. Und dass man sich doch nur an den Plan halten müsste.

 

Was dann schnell entsteht, ist Zweifel.

Andere scheinen es hinzubekommen. Andere bleiben dran, sind konsequent, ziehen ihr Programm durch. Und je öfter man das erlebt, desto stärker wird der Gedanke, dass man selbst das Problem ist. Dass man zu undiszipliniert ist. Zu inkonsequent. Oder einfach nicht der Typ dafür.

Für mich funktioniert das alles einfach nicht.

 

So zu denken ist total nachvollziehbar.

„Ich mache das falsch. Ich kann das nicht.“

 

Was man dabei oft nicht sieht: Orientierung wird zuerst im Außen gesucht. Und das ist nichts Besonderes, sondern menschlich. Ziele entstehen von außen. Ich muss abnehmen, weil … Ich muss stärker sein, weil … Ich muss beweglicher, entspannter, fitter werden, weil … Man schaut, was für andere funktioniert, orientiert sich an Empfehlungen, Programmen und Dingen, die als „das funktioniert“ gelten. Das gibt Sicherheit. Es gibt das Gefühl, nicht allein zu sein und nichts falsch zu machen – setzt aber gleichzeitig Druck und Erwartungen: Das muss doch klappen.

 

Gerade in einer Zeit, in der es unzählige Trainingsformen, Konzepte und Versprechen gibt, ist das total logisch. Wenn etwas vielen hilft, dann wird es mir doch auch helfen. Oder zumindest sollte es das. Und wenn es das nicht tut, liegt der Fehler nahe: bei mir. Ich mache das nicht richtig.

 

Das Problem ist nur, dass diese Logik einen großen blinden Fleck hat.

Denn viele dieser Konzepte sind nicht falsch, nicht schlecht und nicht unsinnig. Sie geben Struktur, Halt und Orientierung. Aber Struktur hilft nur dann, wenn sie zu dem passt, was gerade da ist.

 

Wenn Bewegung von Anfang an an Vorgaben von außen geknüpft ist – an feste Ziele, an ein bestimmtes Tempo, an Messwerte oder Erwartungen –, entsteht schnell Überforderung. Nicht, weil der Wille fehlt, sondern weil der Rahmen nicht der eigene ist. Ein Rahmen, der von außen gesetzt wird und mehr verlangt, als gerade zur Verfügung steht.

 

Dass man unter diesen Bedingungen irgendwann aussteigt, ist total normal.

Es ist eine logische Reaktion auf Überforderung, die lange ignoriert wurde.

 

Viele erleben Bewegung deshalb nicht als etwas, das Spaß macht oder sich leicht anfühlt, sondern als etwas, das ständig daran erinnert, was man nicht geschafft hat. Und je länger sich das wiederholt, desto fester setzt sich der Eindruck, man selbst sei das Problem.

 

Manchmal ist es aber nicht der Körper oder der Wille, der nicht funktioniert.

Sondern der Rahmen, das Umfeld, die Ziele und Erwartungen.

 

Das löst nicht alles.

Es ersetzt keinen Plan und gibt keine Anleitung. Aber darum geht es im ersten Schritt oft auch gar nicht. Vielleicht reicht es erst einmal, den Druck ein Stück herauszunehmen. Den Gedanken loszulassen, dass man selbst das Problem ist. Und wahrzunehmen, dass vieles, was sich wie persönliches Scheitern anfühlt, aus einem Rahmen entsteht, der nie wirklich der eigene war.

 

Mehr muss an dieser Stelle nicht passieren.

Wenn dann vielleicht einfach diese Fragen bleiben dürfen:

 

Warum will ich das eigentlich?

Und für wen?

 

 
 
 

Kommentare


bottom of page